Mit der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung beim Imam in Penzberg

Enrico Corongiu, SPD, Klartext

15. Juli 2017

Gemeinsam mit Dr. Bärbel Kofler, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, habe ich das Islamische Forum in Penzberg besucht. Es war die erste Begegnung mit dem Vorsitzenden des Forums, Byram Yerli, und mit Dr. Benjamin Idriz, dem seit 1995 Imam der Gemeinde. Begleitet wurden wir unter anderem von Dominik Streit, SPD-Unterbezirksvorsitzender aus Weilheim, der sich für den Austausch stark gemacht hat.

Transparente Gesprächskultur

"O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt." (Kur’an 49:13) So werden Gäste auf der Startseite des Islamischen Forums begrüßt. Byram Yerli ist Mitglied der SPD und auch das ein Zeichen für die offene politische Gesprächskultur in Penzberg. Was dort in Sachen friedlichem und offenem Nebeneinander von Religionen und Kulturen auf die Beine gestellt wird, ist beachtlich.

In der Moschee lernten wir Gönül Yerli kennen, Vize-Direktorin des Forums, die uns die transparente Architektur mit viel Glasbau und den offenen Charakter der Gemeinde erklärte. Das gilt auch hinsichtlich der Stellung der Frau im Islam. Frau Yerli erläuterte uns den Gottesdienst, der in arabischer Sprache stattfindet, jedoch mit Übersetzungen, die allesamt von christlichen Übersetzern und Islamwissenschaftlern stammen. Die höchste Autorität, sagt sie, ist für den Islam Gott und deshalb gibt es auch keine autoritäre Stelle die besagt: „Und das ist jetzt die einzig gültige Übersetzung.“

Viele Herausforderungen, aber auch positive Integration

Die sozialen Probleme kommen auf Nachfrage von Bärbel Kofler zur Sprache. Bei einer Einwanderung, die zeitlich inzwischen drei Generationen umfasst, hat bspw. die ältere Generation Deutsch nicht mehr gut gelernt. Ihnen vor allem fehlen seelsorgerische Angebote wie Gebetsräume in Altersheimen. Insgesamt gibt es in Bayern inzwischen 350 Gebetsräume und Moscheen. Den Generationenwechsel, sagt Yerli, merkt man bei der Frage, wo die Menschen begraben werden wollen: Ihre Eltern hätten noch gesagt, auf keinen Fall in Deutschland, ihre Kinder sagen: „Natürlich in Deutschland.“

Frau Yerli betont, dass es ein offenes Bekenntnis zu diesem Land unter den Eingewanderten und ihren hier geborenen Kindern gibt. Die Mehrheit der Gemeindemitglieder ist bereits in Deutschland aufgewachsen. Gelungen sei vor allem, betont Byram Yerli, die Integration der verschiedenen Nationalitäten. Sie hätten das Glück, dass die Gemeinde seit vielen Jahren von einem Imam betreut wird, so dass es kaum innerreligiösen Zwist zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen gibt.

Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen der Gemeinde finden in deutscher Sprache statt. Zwar gibt es unterschiedliche Verständnisse des Islam zwischen den Einwander*innen aus der Türkei und den Balkanländern, Afghanistan oder Pakistan, die jetzt neu dazugekommen sind. Die Gruppe der Schiiten, die Gemeinde habe einige aus Iran und Irak, sei eher klein. Die Gemeinde sehe aber die unterschiedlichen Strömungen im Islam als Reichtum und nicht als Trennung an.

Ein großer Unterschied zu den christlichen Religionen sei die Unabhängigkeit der Gemeinde bzw. Gemeinden, da hinter den verschiedenen Strömungen bei der Einwanderung oft auch noch die Politik der Herkunftsländer stehe. Wichtig sei ein Bewusstsein dafür, sagt Gönül Yerli, das es oft keine religiösen, sondern kulturelle Unterschiede gibt. Sie kritisiert, sagt sie und dem ist nur zuzustimmen, wenn machtpolitische Interessen mit Religion verbunden werden, wie im Falle von „Ditib – Türkische Islamische Union der Anstalt für Religion“ (Köln).

Bildungsarbeit der Moscheen als „Plattformen der Integration“

Besonderes Anliegen ist dem Imam Benjamin Idriz der Dialog mit allen Religionen. Dieser wird speziell durch die Bildungsarbeit der Moscheen geleistet, die Plattformen der Integration sind. Diese Bildungsarbeit sollte finanziell mehr unterstützt werden. Zum Beispiel um Deutschkurse zu verstärken und Nachhilfe geben zu können. Und speziell, um den innerreligiösen Dialog zwischen den unterschiedlichen Strömungen im Islam und den interreligiösen Dialog mit der christlich geprägten Mehrheitsgesellschaft auszubauen.

Die Gemeinde richtet sich mit ihrer Arbeit keineswegs allein an die Angehörigen der islamischen Gemeinschaft, sondern ganz gezielt auch an die immerhin rund 10.000 Besucher*innen, die jährlich in das Haus und die Moschee in Penzberg kommen, um mehr über Gebräuche des Islam zu erfahren. Es gibt in Penzberg kaum jemanden, sagt Byram Yerli freudig, der oder die diese Moschee noch nicht von innen gesehen habe.

Ziel der Bildungsarbeit sei es deutlich zu machen, dass die Jugendlichen in der Gemeinde ganz viele Fragen haben, die mit „dieser“, das heißt mit unserer Gesellschaft zu tun haben. Auch das ist ein positives Zeichen für Verständigungssuche und Ankommen-Wollen, auf das wir offen zugehen können.

Enrico Corongiu, 15. Juli 2017

Kontakt: presse@spd-garmisch-partenkirchen.de

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